Donnerstag, 12. Oktober 2017

Warum ich keine Liebesromane schreibe oder Was lange währt ...

... ist manchmal einfach Liebe. Nicht die große, aufregende Leidenschaft, die in den einschlägigen Romanen beschrieben wird, sondern das warme Gefühl in der Magengrube, wenn man an den Auserwählten denkt.
Oft meinten Leute zu mir, ich sollte Liebesromane schreiben. "Das verkauft sich immer!"
Habe ich versucht, hat aber leider nicht so funktioniert, wie ich es mir vorstellte.
Das liegt vielleicht daran, dass ich an dieses Schmetterlingsgedöns nicht glaube. Gut, damit fängt es meistens an, aber wie lange hält das schon?
Ich glaube ja mehr an das praxisorientierte Gefühl. Es sind oft die kleinen Dinge, die unser, im Speziellen, mein Herz erwärmen.

Neulich war unsere Waschmaschine kaputt. Sie schleuderte nicht mehr und ich stand, mir die Haare raufend, davor und knirschte mit den Zähnen.
"Schatz, die Waschmaschine hat den Geist aufgegeben, wir brauchen eine Neue!"
Herr Kunz kam ins Bad und besah sich den Schaden. "Na ja, die hat ja auch schon einige Jahre auf dem Buckel", meinte er schulterzuckend. Dann stiefelte er los und holte den großen Werkzeugkoffer.
Also den ganz Großen! Da sind Dinge drin, von denen ich weder weiß, wie sie heißen, noch wozu sie dienen.
Schnell verließ ich den Raum, ich wurde offensichtlich nicht mehr gebraucht. Als ich nach einer Weile wieder einen Blick ins Bad wagte, fehlte der Waschmaschine die Seitenwand und mein Mann hielt ein Dingens in den Händen. Um ihn herum lagen Schrauben und Werkzeuge aller Art und ich fragte mich, ob wir unser Bad jemals wieder benützen würden.
"Und jetzt?", fragte ich vorsichtig.
"Alles halb so schlimm", begann er und erklärte mir, welches Teil defekt sei. Nebenbei zeigte er auf das Dingens, welches offensichtlich der Motor der Maschine war. (Das glaube ich zumindest.) Alles, was ich verstand, war, dass man einfach irgendwelche Stifte nachkaufen musste, die sich abgenutzt hatten. "Ich fahre morgen zum Händler und hole einfach zwei neue Stifte!"
Ich gebe zu, dass ihm nicht wirklich folgen konnte, in meinem Kopf spielte sich nämlich gerade ein ganz anderes Szenario ab. Ich fand den Gedanken, dass MEIN MANN unsere Waschmaschine repariert unheimlich sexy.
Wer kann schon von sich behaupten, einen Ehemann zu haben, der eine Waschmaschine reparieren kann?
Herr Kunz und ich sind jetzt seit über siebzehn Jahren zusammen und er schafft es immer noch, mich zu überraschen. Genau das liebe ich an ihm. Ich muss nicht im Sturm und mit teueren Geschenken erobert werden. Ich brauche keine Liebesschwüre und keinen Schnick und Schnack.
Liebe muss praktisch sein und überraschend, dann bin ich hin und weg.

UND das ist der Grund, warum ich keine wirklich schön-schnulzigen Liebesromane schreiben kann. Geh mir weg mit Kerzenschein und Champagner, roten Rosen und schönen Worten. Es sind Taten, auf die ich stehe und zum Glück habe ich mit Herrn Kunz meine wahre Liebe gefunden.

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Helikoptermütter und andere Katastrophen

Wer mich kennt, weiß, dass ich eher gelassen bin, was die schulischen Belange meiner Jungs angeht.
Sie sind selbst für ihre Leistungen verantwortlich, das heißt, ich halte mich zum größten Teil aus ihren Aufgaben heraus.
Natürlich helfe ich, wenn ich darum gebeten werde,  bin aber der Meinung, dass sie sich ihren Herausforderungen erst einmal selbst stellen sollten.
Wie ich gestern feststellte, gehöre ich zu einer aussterbenden Art. Ich bin altmodisch, wenn ich denke, dass man die Kids ruhig machen lassen sollte. Das führt mitunter dazu, dass ich nicht alles mitbekomme, was an Hausaufgaben ansteht. Sind ja auch nicht meine, oder?
Ich gebe zu, dass ich mich im Großen und Ganzen auf meine Jungs verlassen kann, weil sie lernen mussten, dass ich für sie keine Kartoffeln aus dem Feuer hole.
Ich bin keine der Mütter, die am Abend vorher im Dreieck springt und Power Point Präsentationen für die Vorträge ihrer Kinder erstellt, weil diese es wochenlang nicht geschafft haben, endlich anzufangen. Meine Jungs fallen auf die Nase, wenn sie stolpern. Ich helfe ihnen gern auf, aber ich bin nicht bereit, meine Leistung als die meiner Kinder zu verkaufen.
Ich weiß, dass ich mit dieser Einstellung auf Unverständnis stoße, allerdings stehe ich auf dem Standpunkt, dass die Kinder nur laufen lernen, wenn man sie lässt.
Gestern Abend erhielten wir nun diesen Anruf einer aufgeregten Mutter, die meinte, dass sie sich in die Absprachen unserer Jungs einmischen müsste, weil ihr Sohn doch viel mehr geleistet hatte, als die anderen beiden im Team.
Es ging um einen Vortrag, der in Teamarbeit erstellt werden sollte und ihr Sohn hatte von selbst vorgeschlagen, ein Plakat zu erstellen. Wenn man sich das Endprodukt ansieht, dann erkennt man, wer das Plakat gefertigt hat. Angeblich hat das arme Kind das ganze Wochenende damit verbracht. (Ich lache immer noch laut und anhaltend.)
Der Junge hat aber weder Hilfe eingefordert, noch haben die beiden anderen Jungs ihn dazu gezwungen, ein überdimensionales Superwerk zu erstellen.
Am Ende meinte die Mutter, dass unsere Jungs ja nichts dazu beigetragen, und dementsprechend keine gute Note verdient hätten.
Nachdem mein Mann in mehreren Telefonaten versuchte, ihrem Problem auf den Grund zu gehen, legte sie irgendwann einfach auf. Wir verbrachten den Rest des Abends damit, herauszufinden, worum es eigentlich ging, und warum diese Person so ein Riesentheater macht.
Ich gebe ehrlich zu, ich verstehe es nicht. Ich werde nie verstehen, warum sich Eltern in die schulischen Belange ihrer Kinder einmischen. Warum kommt man fünf Minuten vor Hosenknopf auf die Idee, dass diese Teamarbeit keine war, anstatt vorher nachzufragen?
Ist der Wunsch, das eigene Kind voranzubringen so übermächtig, dass man dafür das Miteinander der Kinder aufs Spiel setzt?
Mein Sohn war entsetzt, als er hörte, dass der Junge zu Hause erzählt hatte, er wäre gezwungen gewesen, sich um alles zu kümmern, aus Angst, wieder von den anderen Kindern gemobbt zu werden. Dieses Kind wurde noch nie gemobbt. Im Gegenteil, er ist beliebt und mein Sohn und er haben schon des Öfteren zusammen gearbeitet. Das ist jetzt Geschichte. Wir haben ihm geraten, gemeinsame Projekte in Zukunft mit anderen Kindern zu verwirklichen.

Wenn ich kann, gehe ich solchen Müttern generell aus dem Weg, aber diesmal lagen wir genau in der Einflugschneise und ich bin gespannt, wie die Geschichte endet. Um ehrlich zu sein, empfinde ich Mitleid mit dem armen Jungen, der zu Hause Märchen erzählen muss, um sich vor seiner Mutter zu rechtfertigen.

Bitte warnt mich,  bevor jemand das Jugendamt wegen Vernachlässigung ruft, dann kann ich noch kurz die Kinderzimmer aufräumen und mich über den aktuellen Schulstoff informieren ...