Montag, 24. Juli 2017

Waschtag

Ich bin stinksauer. Meine Nachbarn sind im Allgemeinen ganz nett. Jetzt kommt das Aber: Im Einzelnen gibt es so einiges, was mich gewaltig nervt.
Da wäre das ältere Ehepaar, die über uns wohnen und in regelmäßigen Abständen ihren Dreck aus dem Fenster schütteln, der dann auf meinen Fensterbrettern landet. Sehr unschön. Ich habe es aufgegeben, sie zu reinigen, weil ich es eklig finde, die Krümel, Haare und wer weiß, was sonst noch an meinen Händen zu haben.

Ein weiterer Punkt ist der ständige Kampf um einen Platz auf der Wäscheleine. Den verliere ich meistens, weil ich nicht schnell genug bin. Ja, es gibt zu wenige Leinen für die vielen Hausbewohner. Ich kämpfe auch nicht darum, es sei denn ich habe Bettwäsche. Die kann ich im Sommer nicht im Keller trocknen, weil sie da eben nicht trocknet, sondern vor sich hingammelt.
In der Wohnung kann ich sie auch nicht aufhängen, da sie zu sperrig ist. Ich weigere mich auch, deswegen einen Trockner anzuschaffen.
Heute früh hatte ich Glück und habe einen Bettbezug, ein Kissen und ein Laken auf die letzte freie Leine gehängt.
Als ich eine Stunde später nach der Wäsche sah, hatte jemand meine Bettwäsche gefaltet und übereinandergehängt. Und nein, sie ist noch nicht komplett trocken! Auch wenn es Mikrofaser ist, darf ich doch darauf bestehen, dass ich wenigstens die zwei Stunden bis zum endgültigen Trocknen den Platz nutzen darf, oder? Ich habe ja meine Obermieterin in Verdacht, es würde zu ihr passen.
Aber mal ehrlich, ich hänge sowieso schon keine normale Wäsche dort auf, weil es mich nervt, mich ständig dafür rechtfertigen zu müssen, dass ich nunmal Wäsche habe. Aber es geht entschieden zu weit, meine Wäsche wegzuräumen, um dann die eigenen Schlüpper draufzuhängen.

Sorry, das musste jetzt mal raus, weil ich gerade vor Wut schäume und weil es mir auf den Nerv geht, dass jeder nur an sich selbst denkt, vor allem, wenn ich Diejenige bin, die diesen Wäscheplatz wirklich nur im Notfall nutzt.

Ich glaube, im Moment sollte mir besser keiner der Nachbarn auf dem Wäscheplatz begegnen ...

Sonntag, 16. Juli 2017

Meilensteile

Gestern hat mein goßer Sohn sein Abschlusszeugnis der zehnten Klasse bekommen. Ein wichtiger Meilenstein, auch wenn er sich entschlossen hat, weiter zur Schule zu gehen und sein Abitur zu machen.
Also saßen wir in einem großen Saal mit anderen aufgeregten und aufgerüschten Eltern, lauschten ambitionierten Reden und schlechter Musik und feierten unsere Kinder.
Apropos aufgerüscht: Es ist immer wieder amüsant, Teenager in Klamotten zu sehen, die eigentlich für Erwachsene gedacht sind. Die Mädels stakten auf viel zu hohen Schuhen, während die Jungs zu cool für Schlips und Kragen waren, ich sah viele Turnschuhe zu dunklen Hosen und weißen Hemden. Mein Sohn war einer von ihnen.
"Zu meiner Zeit wurde nicht so viel Tamtam gemacht", flüsterte ich Herrn Kunz ins Ohr und erntete bestätigendes Nicken seiner Sitznachbarin.
Die Kinder wurden gelobt und angefeuert und mit Fußballern verglichen. Vielleicht braucht es das, damit die Kids mit den Wünschen überhaupt etwas anfangen können.
Also wurde viel geredet und verglichen und man hat sich von allen Seiten artig bedankt. Die Lehrer bei den Kids und umgekehrt. Die Eltern bei den Lehrern und der Schulleiterin. Die Lehrer feierten sich untereinander und nach zwei Stunden in einem Saal ohne ausreichende Belüftung waren alle froh, dass es endlich vorbei war. Also die Feierstunde. Für viele geht es ja weiter zur Schule.

Ich beobachtete das Publikum, dachte an meinen eigenen Abschluss und erinnerte mich, wie so oft in solchen Situationen, an den Augenblick, als ich meinen Sohn das erste Mal im Arm hielt.
Nein, ich habe nicht geweint. Diesmal nicht, obwohl ich ja sonst sehr gern dazu neige, rührselig zu werden. Nur ich weiß, welches Glück ich habe, diese Augenblicke erleben zu dürfen. Es hätte anders kommen können, kam es aber nicht, und dafür bin ich unendlich dankbar.

Der große Sohn hat es bis zum Schluß sehr spannend gemacht und es war nicht sicher, ob er die Zulassung zum Abi bekommt. Jetzt hat er mir hoch und heilig versprochen, im nächsten Jahr für die Tests zu lernen oder wenigstens einen Spicker zu schreiben. Das halte ich unter den gegebenen Umständen für einen guten Plan. Ich hoffe, er hält sich dran.

In diesem Fall halte ich es, wie der Hochhausspringer, der bei jedem Stockwerk sagt: "Bis hierher gings gut!"